Geschichte der Digitalisierung

Aussteller: Archiv der sozialen Demokratie (AdsD) der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Geschichte der Digitalisierung ist ein junger Arbeitsschwerpunkt im Archiv der sozialen Demokratie (AdsD) der Friedrich-Ebert-Stiftung. Schon seit einigen Jahren befassen wir uns mit Fragen der Arbeitspolitik und insbesondere dem von der Bundesregierung zwischen 1974 und 1989 geförderten Programm „Humanisierung des Arbeitslebens“(HdA). Das Thema „Geschichte der Digitalisierung“ hat sich für das AdsD aus zwei Richtungen heraus ergeben.

Zum Ersten hängen Fragen der digital getriebenen Automation und der gewerkschaftlichen Antworten hierauf eng mit Fragen nach der menschlichen Gestaltung von Arbeit zusammen. Humanisierung der Arbeit war für einen Teil der Akteure in den 1970er- und 1980er-Jahre die Antwort auf weitere Automationswellen. Zum Zweiten sucht die historische Arbeit des AdsD immer nach Anknüpfungspunkten an Gegenwartsdebatten. Bei den historischen HdA-Projekten ist es die gewerkschaftliche  Kampagne für Gute Arbeit, bei der Digitalgeschichte sind es die aktuellen Diskussion und Konzepte um Industrie 4.0 bzw. cyber-physical systems.

Die Diskussionen um Industrie 4.0 und die Zukunft der Arbeit sind in hohem Maße von technologischen Analysen geprägt, die eine nahezu vollständige Umwälzung der Arbeitswelt prognostizieren. Die neuen Möglichkeiten des Netzwerks aus Entwicklung, Produktion und Logistik sowie die damit verbundene Kundenkommunikation (vernetzte Produktion) seien demnach einzigartig und neu. Angesichts teils dystopischer Zukunftsprognosen, die entsprechend Aussagen über die Vergangenheit tätigen, fragen wir im AdsD nach der „Vorgeschichte von Industrie 4.0“ und nehmen insbesondere die Projekte um Computer-integrated manufacturing (CIM) in Deutschland seit Mitte der 1980er-Jahren in den Blick. Ferner interessieren uns die schon in der Frühzeit der Digitalisierung angelegten Möglichkeiten, wenn die arbeitenden Menschen von den Maschinen räumlich und zeitlich getrennt werden. Telearbeit – heute: Homeoffice – ist eine dieser Wirkungen.

Die Geschichte der Digitalisierung geht über die CIM-Projekte und die Telearbeit hinaus. Zugespitzt stellt sich die Frage, ob und inwieweit wir an der Schwelle eines großen gesellschaftlichen Umbruchs stehen. Als Historiker_innen sehen wir unsere Aufgabe darin,

  • mit historischen Argumenten für Sensibilität gegenüber tagesaktuell wechselnden Prognosen zu sorgen,
  • in gesellschaftlicher, arbeitspolitischer und technologischer Hinsicht historische Argumente bereitzustellen, mit denen Gegenwartsdiskussionen als spezifische Kinder ihrer Zeit eingeordnet werden können,
  • anhand der Geschichte der Arbeiter_innenbewegung und der sozialen Demokratie die Rolle gesellschaftlicher Bewegungen und Akteure bei der Gestaltung technologisch-industrieller Umbrüche zu untersuchen.

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Zukunft gerecht: Die Krise für eine gerechte Transformation der Arbeitswelt nutzen. Podcast der Friedrich-Ebert-Stiftung mit Christiane Benner (IG Metall), Prof. Dr. Ralf Roth (Goethe-Universität, Frankfurt am Main), Prof. Dr. Stefan Kirchner (TU Berlin).

Kontakt

Name: Stefan Müller
Telefon: + 49 (0) 228 / 883-8072
E-Mail: stefan.mueller@fes.de
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